Pfiffe derzeit nur aus dem Wohnzimmer

Auch Fußball-Schiedsrichter haben es in der Zeit von Corona nicht leicht

Von Manfred Malinka
Gera/Stadtroda. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das geflügelte Wort muss im Alltag oftmals dafür herhalten, wenn Verwandte sich sehr ähnlich sind. Auch im Sport ist das manchmal so. So haben Zwillinge oder Brüder meist das gleiche Hobby, Vater und Sohn oder Opa und Enkel oder sogar Ehepaare haben dieselbe Freizeitbeschäftigung. Im Fußball, im Schiedsrichterwesen, gibt es dafür viele Beispiele. Beim FSV Grün-Weiß Stadtroda gibt es zwischen zwei Schiedsrichtern ein ganz besonderes Verwandtschaftsverhältnis. Mario Spatzier (34) und der 13-jährige Louis Gaudes, sind Großcousins, also Cousin eines Elternteils und beide sind aktive Fußball-Referees. Zudem ist Mario, der mittlerweile im hessischen Friedberg lebt, Schiri-Verantwortlicher in Stadtroda und im Kreisfußball-Ausschuss Jena-Saale-Orla seit 2010 Ansetzer und damit dienstältestes Mitglied der Kommission. Durch seinen Wohnort und die Entfernung ist der als Koordinator in der Disposition für den Fernverkehr bei der Deutschen Bahn tätige gebürtige Jenaer nur noch selten als Unparteiischer auf dem Platz, jedoch hält er durch die Ansetzertätigkeit den Kontakt zu den Referees und Freunden in der Heimat weiter aufrecht.
Seit über 20 Jahren ist Mario Spatzier nun Fußball-Schiedsrichter, wurde einst vom Kahlaer Bernd Bock angeworben und legte die Prüfung beim jetzigen TFV-Obmann Burkhardt Pleßke aus Coppanz ab. Motivation war anfangs, sein Taschengeld etwas aufzubessern, was schnell zur Leidenschaft wurde und zu einem Hobby, in dem man für das Leben lernt. Aktiver Fußballer war der ledige, aber glücklich vergebene Sportler auch, durchlief er doch alle Nachwuchsmannschaften bei Grün-Weiß. Als Referee kam er bisher auf ungefähr 750 Spiele, es können leicht auch ein paar mehr sein, war er doch bei vielen internationalen Turnieren, wie dem BAMBINI-Cup in Gera und dem Karl-Schnieke-Turnieren in Jena im Einsatz. Ein Höhepunkt in der Schiedsrichter-Laufbahn war sicherlich das Kreispokalfinale 2012 vor 550 Zuschauern in Jena-Zwätzen zwischen dem TSV Königshofen und Post Jena (2:1 n.V.). Aber auch
Schulungswochenenden und Austauschspiele mit der Talentfördergruppe in Erlangen sind hier unbedingt zu nennen. Pandemiebedingt verfolgt der sympathische Sportsmann, dessen Vater auch schon als Stadionsprecher und Sicherheitschef im Verein agierte, viele Fußballspiele im Fernsehen, auch wenn es „nicht das Wahre“ ist und einfach Zuschauer und Emotionen fehlen. Momentan sieht der Stadtrodaer es aber als „einzige Möglichkeit, meinen Konsum zu befriedigen.“ Ansonsten genießt der 34-Jährige auch mal die Ruhe und freut sich auf ausgiebige Spaziergänge mit Freundin Line und Hund Paul.
Marios Großcousin Louis kann es gar nicht abwarten, dass es endlich wieder losgeht. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 6. März 2020, bestand der dem SV Eintracht Eisenberg angehörende Youngster seine Schiedsrichter-Prüfung. Auf sein erstes Spiel musste er aber über ein halbes Jahr warten. Erst am 5. September durfte der Gymnasiast wegen der Corona-Situation sein erstes Spiel leiten, Großcousin Mario war als Coach mit vor Ort. Derzeit ertönen Louis` Pfiffe zumeist im heimischen Wohnzimmer -- sehr zum Leidwesen seiner Eltern…... Da kommt er aber zumindest nicht aus der Übung. Den Siebtklässler hat es schon immer interessiert, den Fußball nicht nur aus der Sicht des Spielers, sondern auch aus Sicht des Schiedsrichters zu sehen. „Mit Mario habe ich ja in der Verwandtschaft einen Ansprechpartner gehabt, der mir den Kontakt zur Anmeldung für die Ausbildung herstellen konnte“, freut sich der aktive Eisenberger D-Junioren-Kicker. Die Feuertaufe als Referee verlief ohne Komplikationen. Helfend haben die Neulinge anfangs zu jedem Spiel einen Paten an der Seite, damit der Sprung ins „kalte Wasser“ nicht gleich zu sehr abschreckt. So bekommt man vor Ort Tipps und Verbesserungsvorschläge von erfahrenen Schiedsrichtern. Der Schiller-Gymnasiast hat bislang elf Spiele im Bereich der F- bis D-Junioren geleitet. „Jedes Spiel ist für mich einzigartig und besonders. Man muss, egal ob klein oder groß, immer hellwach und konzentriert auf dem Platz stehen“, hat sich der passionierte Angler zur Maxime gemacht. Zur Eintracht, der er seit 2017 angehört, hat er auch wöchentlich Kontakt. Den größten Teil des Tages ist Louis Gaudes aber mit der Schule beschäftigt, Home-Schooling heißt das jetzt auf neudeutsch und hält sich mit Joggen und Fahrradfahren fit.

Pate beim ersten Spiel von Louis Gaudes (links) war Großcousin Mario Spatzier. Foto: Manfred Malinka

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