Der höchste Thüringer Schiedsrichter ist seit 50 Jahren Referee

Bevor der Thüringer Verbands-Schiedsrichterobmann Burkhard Pleßke im Juni bei hoffentlich guter Gesundheit 63 Jahre alt wird, beging er am 15. Mai ein besonderes Jubiläum. Genau an diesem Tag vor 50 Jahren bestand der in Coppanz bei Jena wohnhafte Dozent an der Fachschule für Agrarwirtschaft Stadtroda seine Prüfung zum Fußball-Schiedsrichter. Kein Geringerer als der damalige DDR-Oberliga-Schiedsrichter und Jenaer Kreis-Obmann Heinz Planer (heute 96) war der Ausbilder, der dem damals 13-Jährigen gutes Rüstzeug mitgab. Für den Schiedsrichter-Job hatte sich der ehemalige Nachwuchsfußballer und Leichtathlet auch bei Stadionansagen der DDR-Oberliga in Jena begeistern lassen. Scheinbar lief die Ausbildung so gut, dass der Weg nach oben relativ problemlos war. Nur elf Jahre nach der Prüfung erfolgte schon die Einstufung in die zweithöchste Spielklasse, die Liga. Offenbar hatte der ausgebildete Diplomingenieur bei seinen Aufstiegen auch mit seiner Athletik aufgetrumpft und beeindruckte den Schieri-Ausschuss damit. Über Bezirksklasse (1996) und Bezirksliga 1980 schaffte er 1982 die Liga- und 1991 die Amateur-Oberliga-Einstufung. Er pfiff Regionalliga nach der Wende und es kamen Assistenten-Einsätze in der 2. Bundesliga an der Linie beim Wogauer Jörg Keßler hinzu. Burkard Pleßke war sich nicht zu schade, auszuhelfen, wenn Ansetzer Herbert Leder ihn für Spiele im Raum Jena brauchte. Und auch in diesen Begegnungen auf unteren Ebenen waren vorzügliche Physis, Persönlichkeitsausstrahlung und Durchsetzungsvermögen, die Markenzeichen des Jenaers, gefragt. Seine Einsätze als Schiedsrichter hat er im Gegensatz zu manch anderem Kollegen nicht gezählt. Über den Daumen gepeilt seien es wohl 1800. Hinzu kommen mittlerweile zirka 550 Beobachtungen von Talenten, die er seit 2003 bis zur NOFV-Regionalliga ausführt.

Auch auf Funktionärsebene war der Aufstieg stetig. Bereits mit 26 Jahren war er der Lehrwart im KFA Jena-Stadt, Theorie war und ist ohnehin seine Stärke. Diese war der Ausgangspunkt seiner zweiten Karriere über die Stufen Lehrwart im Kreisfußballausschuss Jena ab 1982 und Kreisobmann der Stadt Jena bis 1992. Zehn Jahre lang stand der gebürtige Jenaer dann dem Ausschuss im neu gebildeten KFA Jena/Saale-Holzland vor. Mittlerweile war der Fachschuldozent für Landtechnik und landwirtschaftliches Bauen Mitglied des Landes-Schiedsrichterausschusses und Ostthüringer Chef für Regel und Lehre geworden. In der Funktionärslaufbahn ging es für den in zweiter Ehe verheirateten zweifachen Vater (Söhne 34 und 10) weiter stetig nach oben. Die aktive Zeit auf den Sportplätzen war 2001 ad acta gelegt, der dem FC Carl Zeiss angehörende ehemalige Leichtathlet wurde Landeslehrwart und ist seit 2012 Schiri-Obmann des Thüringer Fußball-Verbandes und damit auch Mitglied im NOFV-Ausschuss der Referees. Als solches ist der Jenaer seit 2003 Beobachter im NOFV-Bereich, auch in den Bundesligen der Junioren und der Frauen und der Oberliga.

Als sportliche Höhepunkte in der 50-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit sieht der Jubilar die Leitung von Regionalligaspielen, als sie noch dritthöchste deutsche Spielklasse waren, in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Dresden und Aue und Einsätze an der Linie bei Zweitbundesligisten wie in Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Hamburg und Hannover. An ein Spiel in Dresden vor 20 000 Zuschauern gegen Union Berlin 1998 erinnert sich der Pädagoge besonders: „Es war ein schwer zu leitendes Spiel vor imposanter Kulisse mit interessanten Toren und leider auch zwei Platzverweisen.“

Der oberste Thüringer Schiedsrichter gibt jungen Leuten diesen Ratschlag auf den Weg: „Weiterentwickeln wird sich nur der kritikfähige Schiedsrichter, welcher niemals mit sich zufrieden ist.“ Dazu müsse der Referee eine schnelle Auffassungsgabe in der optischen Wahrnehmung haben und eine gewisse Ausstrahlungskraft gepaart mit körperlicher Leistungsfähigkeit. „Selbstverständlich und eine Grundvoraussetzung ist natürlich eine große Regelsicherheit. Der junge Schiedsrichter muss von seiner Aufgabe begeistert und hungrig auf jedes Spiel sein“, sagt der erfahrene Referee, der hofft, alsbald wieder zu einem normalen Gesundheitszustand zu gelangen.

Für sein jahrzehntelanges Wirken als Schiedsrichter und Funktionär erhielt Burkhard Pleßke zahlreiche Auszeichnungen. So ist er unter anderem auch Mitglied im „DFB-Club Einhundert“.

 

 

von Manfred Malinka

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